Gott macht die verborgenen Dinge immer offenbar.
Sie werden wachsen, also säe keinen schlechten Samen.

3970

Regen und Wolken und Feuer und die Sonne
bringen die verborgenen Dinge immer aus der Erde hervor.

 

Der neue Frühling nach dem Fall der Blätter
ist ein Beweis für die Existenz der Auferstehung.

 

Im Frühling werden die Geheimnisse enthüllt.
Was die Erde verschluckt hat, wird sichtbar gemacht.

 

Es entspringt ihrem Mund und ihren Lippen,
damit sie ihren verborgenen Geist und ihren Weg ans Licht bringen kann.

 

Das Geheimnis der Wurzel jedes Baumes und seine Ernährung
wird in der Krone des Baumes deutlich sichtbar.

3975

Jeder Kummer, der dir das Herz wund macht,
kommt von dem Wein, den du getrunken hast.

 

Doch woher kannst du wissen, welcher Wein
diese Kopfschmerzen hervorgebracht und deutlich gemacht hat?

 

Die Kopfschmerzen sind die Blüte der Aussaat;
wer klug und weise ist, wird das erkennen.

 

Der Zweig und seine Blüte gleichen dem Samen nicht.
Gleicht der Samen etwa dem Körper des Menschen?

 

Die Materie gleicht ihrem Produkt nicht.
Hat der Samen jemals dem Baum geglichen?

3980

Samen ist aus Brot, aber ist er wie Brot?
Der Mensch ist das Produkt von Samen, aber ist er dem Samen gleich?

 

Der Jinn ist aus Feuer, aber gleicht er dem Feuer?
Die Wolke ist aus Dampf, aber sie ist nicht das Gleiche wie Dampf.

 

Jesus wurde aus dem Atem Gabriels erschaffen,
aber war er ihm in seiner Gestalt jemals gleich oder vergleichbar?

 

Adam ist aus Erde, doch gleicht er der Erde?
Keine Traube gleicht dem Wein.

 

Sieht Raub etwa wie der Fuß eines Galgens aus?
Ist Frömmigkeit das Gleiche wie die ewige Wohnstatt?

3985

Kein Ursprung gleicht seinem Ergebnis und deshalb
kannst du den Ursprung deines Kopfwehs und deiner Pein nicht kennen.

 

Doch solch eine Strafe ist nicht ohne Ursprung,
oder würde Gott eine Strafe ohne Sünde verhängen?

 

Auch wenn Ursprung und Erzeuger dieses Schmerzes
dem Schmerz nicht gleichen, hat er ihn doch hervorgebracht.

 

Wisse also, dass dein Schmerz das Ergebnis irgendeines Vergehens ist
und dass deine leidvolle Not aus irgendeiner Begierde entstand.

 

Wenn du deine Sünde durch Nachdenken nicht herausfinden kannst,
flehe Gott demütig an und bitte um Vergebung.

3990

Wirf dich hundert Mal nieder und sage immer wieder:
"O Gott, dieser Schmerz ist das, was ich verdient habe.

 

O Du, Der rein und frei von Ungerechtigkeit und Unterdrückung ist,
wie könntest Du einer Seele, die nicht gesündigt hat, Kummer und Pein auferlegen?

 

Ich kenne meine Sünde nicht genau,
doch es muss eine Sünde als Ursache für meine Qual geben.

 

Da Du die Ursache vor meinem Denken verborgen hast,
verbirg meine Sünde auch vor den anderen.

  Denn es wäre eine Vergeltung, meine Sünde aufzudecken;
mein Vergehen würde durch die Bestrafung offensichtlich."

Aus: Rūmī, Maṯnawī, 5. Buch.

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