Wie sich vier Personen über Trauben stritten, die jedem von ihnen unter einem anderen Namen bekannt waren

 

Jemand gab vier Personen einen Dirham;
einer von ihnen sagte: "Das werde ich für angūr ausgeben."

 

Der Zweite war ein Araber und sagte:
"Nein, ich will 'inab, nicht angūr, du Gauner!"

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Der Dritte war ein Türke; er sagte: "Das gehört mir;
ich will kein 'inab, ich will uzum."

 

Der Vierte, ein Grieche, sagte: "Hört mit dem Geschwätz auf;
ich will istāfïl."

 

Diese Leute fingen an, miteinander zu kämpfen,
denn sie kannten die verborgene Bedeutung der Namen nicht.

 

In ihrer Verrücktheit schlugen sie sich mit den Fäusten;
sie waren voller Unwissen und Unkenntnis.

 

Wenn ein Meister der Geheimnisse anwesend gewesen wäre,
ein ehrwürdiger und vielsprachiger Mann, hätte er sie befriedet;

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Und hätte zu ihnen gesagt: "Mit diesem einen Dirham
werde ich euch allen geben, was ihr wünscht.

 

Wenn ihr eure Herzen ohne Betrug hingebt,
wird dieser Dirham das alles für euch tun.

 

Der eine Dirham wird zu vier Dirham werden -
das erwünschte Ergebnis: Vier Feinde werden durch Vereinigung eins.

 

Was jeder von euch sagt, erzeugt Streit und Trennung;
was ich sage, bringt euch Einverständnis.

  Seid also still und schweiget 1,
damit ich beim Sprechen und Reden eure Zunge sein kann."

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Wenn deine harmonischen Worte auch ein starkes Seil sind, sind sie in der Wirkung eine Quelle des Streits und der Verwirrung.

 

1 Koran, VII:204

 

Aus: Rūmī, Maṯnawī, 2. Buch.

Urheberrecht: Übersetzergemeinschaft Meyer, Dalir Azar, Sohrabi