Die Geschichte von dem Inder, der sich mit seinem Freund über eine bestimmte Handlung stritt und nicht merkte, dass auch er daran beteiligt war

 

Vier Inder gingen in eine Moschee;
sie beugten ihre Häupter und warfen sich zum Gotteslob nieder.

3030

Jeder verrichtete den takbīr nach dem nīyyat1
und begann unterwürfig und demütig zu beten.

 

Der Muezzin kam, und einem von ihnen entschlüpfte die Bemerkung:
"O Muezzin, hast du zum Gebet gerufen? Ist es Zeit?"

 

Der zweite Inder fühlte sich gezwungen, zu sagen:
"He, du hast geredet, und dein Gebet ist ungültig."

 

Der Dritte sagte zum Zweiten:
"O Onkel, warum tadelst du ihn? Sag es zu dir selbst.

 

Der Vierte sagte: "Gott sei gelobt,
dass ich nicht in die Grube gefallen bin, wie diese drei."

3035

Also waren die Gebete aller Vier verdorben;
und die Fehlersucher waren noch mehr abgewichen als der Erste.

 

Oh, glücklich ist die Seele, die ihren eigenen Fehler sieht,
und die, wenn jemand einen Fehler benennt, diesen auf sich nimmt!

 

Denn eine Hälfte jedes Menschen gehört zum Reich der Fehler,
und seine andere Hälfte zum Reich des Unsichtbaren.

 

Weil du zehn Wunden auf deinem Kopf hast,
musst du dir selbst einen Verband anlegen.

 

Den Fehler bei sich selbst suchen ist das Heilmittel;
erst wenn das Herz gebrochen ist, ist die Gelegenheit für "Habe Mitleid."

3040

Wenn du keinen solchen Fehler hast, sei dir nicht sicher;
vielleicht tritt dieser Fehler später bei dir auf.

 

Du hast Gott nicht sagen gehört: Fürchtet euch nicht 2;
warum hältst du dich dann für sicher und glücklich?

 

Jahrelang lebte Eblis3 in gutem Ruf;
er wurde entehrt; merke dir seinen Namen.

 

Seine Vorzüglichkeit war in der Welt berühmt;
sein Ruhm wendete sich, wehe ihm!

 

Strebe nicht nach Ruhm, bis du sicher bist;
wasche dir die Angst vom Gesicht und zeige es erst dann!

3045

Solange dein Bart nicht wächst, mein guter Mann,
spotte nicht über einen Anderen, der ein glattes Kinn hat.

 

Denke daran, dass Eblis' Seele geprüft wurde,
bis er stürzte und zur Warnung für dich wurde.

 

Du bist nicht gefallen, um eine Warnung für ihn zu werden.
Er hat das Gift getrunken; iss du seinen Zucker!

 


1 takbir: Beginn des Ritualgebetes (Allahu-akbar); niyyat: Die Absicht, zu beten.
2 Koran XLI:30
3 Satan, nach islamischer Überlieferung ein gefallener Engel

Aus: Rūmī, Maṯnawī, 2. Buch.

Urheberrecht: Übersetzergemeinschaft Meyer, Dalir Azar, Sohrabi